Ambulant, stationär und familiär
Baddeckenstedt Abgeordnete Filiz Polat spricht sich für vielfältige Pflegeangebote aus.

Zeitungsbericht SZ 31.05.17 Von Kjell Sonnemann
Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen in Deutschland haben
das Glück, in den eigenen vier
Wänden versorgt werden zu können. Oft von ihren Angehörigen.
Von diesen seien allerdings zwei
Drittel berufstätig, zum Teil ganztägig, berichtete Filiz Polat (Grü-
ne). So gebe es einige Menschen,
die ihren Beruf aufgeben, um ihre
Verwandten zu pflegen.
Dieses Beispiel war Teil eines
Vortrags, den die Landtagsabgeordnete im Gasthaus Woltmann in
Baddeckenstedt hielt. Der Kreisverband Wolfenbüttel von Bündnis90/Die Grünen hatte zu dem
Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Zukunft der Pflege – Pflege der Zukunft?“ eingeladen.
Auf einen Menschen, der im
Pflegeheim wohne, komme teilweise ein monatlicher Eigenanteil
von 2000 Euro hinzu, führte Filiz
Polat weiter aus.
Außerdem bemängelte sie: „Eine Pflegekraft verdient nicht
viel.“ Es gebe noch immer Anbieter – „nicht nur private“ –, die
nicht nach Tarif bezahlen.
Es zeigte sich, dass Fördergelder fehlen, um etwa Angehörige
ausreichend zu unterstützen und
Unternehmern Anreize zu geben,
nach Tarif zu bezahlen.
Filiz Polat fand jedoch auch,
dass die neuen Pflegestärkungs
idth: 0px; "> gesetze zumindest auf dem richtigen Weg sind.
Am Diskussionstisch wurden
dann zahlreiche Bereiche rund um
die Pflege angesprochen. Im Publikum saß Hermann Jahns vom
Pflegezentrum aus Groß Elbe und
brachte viele Eindrücke aus dem
Pflege-Alltag ein.
„Ich kriege keine Fachkräfte“,
berichtete er etwa. Nur weil er eine
„Mutti-Tour“ im Dienstplan anbietet, fand er Mitarbeiterinnen.
Diese starten mit ihren ambulanten Fahrten erst, wenn der Nachwuchs im Kindergarten ist. Es helfe schon, wenn die Einrichtungen
der Kommune um 6 Uhr öffnen.
troke-width: 0px; "> Filiz Polat fügte später an, dass
die Gesundheitswirtschaft mit die
stärkste in Deutschland sei. Beim
Stichwort „Fachkräftemangel“
würden viele nur an Ingenieure
denken.
Was auch fehlt, besonders vor
Ort, sind Beratungsangebote. Einige Baddeckenstedter „scheuen
den Weg zum Landkreis Wolfenbüttel, der zuständig ist“, erklärte
Klaus Kubitschke, Bürgermeister
der Samtgemeinde Baddeckenstedt, die eine Exklave Wolfenbüttels ist. Darum schlug der Verwaltungschef öffentliche Beratungsrunden vor. Zum Beispiel
halbjährlich.
dth: 0px; "> Kubitschke hatte zuvor aufgezählt, dass in der Kommune zwei
Pflegedienste, ein Seniorenheim
und ein Gebiet für betreutes Wohnen ansässig sind.
Für vielfältige Angebote sprach
sich Filiz Polat aus. Bundesweit
müsse aber in „bessere Qualität
und Quantität investiert“ werden.

Akueller Brennpunkt

in unserer Samtgemeinde

ERDSTROMKABEL / FREILEITUNGEN

STROMKABELTRASSEN

GESUNDHEITLICHE FOLGEN DUCH MAGNETFELDER

FINAZIELLER AUSGLEICH FÜR DIE GRUNDSTÜCKSEIGENTÜMER

WIE SOLL DIE ZUKUNFT AUSSEHEN?

KOMMT ES ZU ENTEIGNUNGEN?

von links: Holger Barkhau, Angela Bösselmann, Volker Bajus, Ghalia El Boustami, Ehrhard Dette

29.01.2017

Energiewende als Chance für den Norden

Grüner Dialog zur Energiewende und Netzausbau lockte viele interessierte Bürger nach Burgdorf

„Der Klimawandel ist nach den Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die größte Gefahr in der Geschichte der Menschheit“, so Volker Bajus in seinen Vortrag zur Energiewende. Der energiepolitischer Sprecher von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN im niedersächsischen Landtag beleuchtete anschaulich die Hintergründe der Energiewende, die unter Anderem den Ausbau der Stromnetze erforderlich macht. Beginnend beim Anstieg der Treibhausgase und den daraus resultierenden weltpolitischen Herausforderungen spannte Bajus den Bogen zu den Klimaschutzzielen Deutschlands und Niedersachsens. Er wies auf die Chancen der Energiewende für den NordenDeutschlands hin.

Am Ende seines Vortrags kam Volker Bajus auf die, in Baddeckenstedt umstrittenen, Stromtrassen zu sprechen. Sowohl die Trasse „Wahle-Mecklar“ , als auch der „Südlink" sollen die Übertragungskapazität für Windenergie in der Nord-Süd-Achse erhöhen und so für Versorgungssicherheit und Netzstabilität sorgen.

Für „Wahle-Mecklar“ sei eine Erdverkabelung möglich und für den Bereich Baddeckenstedt in Planung. Der Südlink solle möglichst unter der Erde verlegt werden. Erdkabel, so Bajus, seine im Hinblick auf des Landschaftsbild und hinsichtlich der Belastung durch Magnetfelder den Hochspannungsmasten vorzuziehen.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde, die von Holger Barkhau (Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN im Kreistag Wolfenbüttel) geleitet wurde, standen neben Volker Bajus auch die Experten des Netzbetreibers Tennet Rede und Antwort. Sie verwiesen ausdrücklich auf die verschiedenen Planungsphasen der beiden Trassen: während Wahle-Mecklar bereits kurz vor der Umsetzung stehe, sei der Südlink noch in der Vorschlagsphase. Daher, so Volker Bajus, sollten die Anwohner ihre Sorgen hinsichtlich der doppelten Belastung durch den möglichen Trassenverlauf des „Südlink“ deutlich äußern und schriftliche Einwände an das zuständige Amt für regionale Landesentwicklung schicken. Auf die Frage nach der Leitungstechnologie für die Erdverkabelung und die damit einher gehende Breite der Trassen betonte Wantia, die neueste Technologie ermögliche eine deutliche Reduzierung der Korridorbreite. Prinzipiellen Zweifeln an der Notwendigkeit des Netzausbaus wurde deutlich widersprochen. Mit den geplanten Übertragungsnetzen, so Wantia würden weit unter 50% der neuen Energieversorgung abgedeckt sodass der Rest mit Hilfe neuer Speichertechnologien, mitnichten aber durch den weiteren Ausbau von Stromtrassen zu realisieren sei.

Differenzen gab es zwischen Tennet und den Landwirten, die jedoch an diesem Abend, soHolger Barkhau, nicht zu lösen waren. Barkhau verwies hier auf die Möglichkeit einer externen Moderation.

Nach dem gut einstündigen Austausch standen sowohl die Vertreter von Tennet als auch Pia Beug und Gesa Dodt vom Bürgerdialog Stromnetz für weitere Fragen zur Verfügung. Die Möglichkeit zu Gesprächen in kleinerer Runde wurde vielfach genutzt. Einmal mehr machte diese Veranstaltung deutlich, wie wichtig Vertrauen und Beteiligung für die Akzeptanz der Energiewende vor der eigenen Haustür ist.

 

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